Wer heute ein Haus baut, achtet auf Solidität, Wertbeständigkeit und  niedrige Unterhaltskosten. Am wichtigsten für jeden Bauherrn ist aber wohl die gesunde Wohnumgebung in den eigenen vier Wänden. Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftwechselrate müssen „stimmen", wofür vor allem die Wahl der richtigen Baustoffe entscheidend ist: Beim Innenputz beispielsweise kann das natürliche Material Gips eine echte Alternative zu künstlichen Schutzschichten sein.


Joachim Brauer

              Wände

 

Schadstoffe raus, Sauerstoff rein
Für das gesunde Raumklima und die „Wohnhygiene" ist vor allem die Be- und  Entlüftung  sehr wichtig. Lüften versorgt die Bewohner eines Hauses mit dem nötigen Sauerstoff und beseitigt die meisten Schadstoffe, die sich in den Innen- und Hohlräumen eines Hauses finden. Das sind nicht  nur das CO
2 aus der menschlichen Atmung, Wasserdampf oder die Schadstoffe aus verbranntem Tabak, sondern auch Ausgasungen aus der Inneneinrichtung, aus dem Möbellack, aus Fußböden und aus Farben. Schaut man sich die biologischen Bedürfnisse des  menschlichen Körpers an, gibt es nur einen engen „Korridor" im Spektrum der Klimamöglichkeiten, der für Gesundheit, Komfort und Behaglichkeit die richtigen Werte bietet.

 

Prima Klima
Die Raumtemperatur sollte je nach Raumnutzung zwischen 18 °C und 24 "C liegen, bei einer Oberflächentemperatur von Wänden, Decken und Böden von etwa 17 °C. Zum Schlafen reicht das Minimum, im Bad hat man es gern mollig warm. Erstrebenswert ist eine Luftfeuchtigkeit, die zwischen 40 und 60 Prozent liegt. Ideal sind 55 Prozent relative Feuchte. Ist die Raumluft nämlich über längere Zeit zu trocken, kann nicht nur die Haut aus trocknen, sondern auch das besonders empfindliche Atmungssystem des Menschen ist nicht mehr aus reichend gegen Keime geschützt. Liegt die Feuchtigkeit über längere Zeit deutlich höher als 60 Prozent, erhalten Schimmelpilze sehr gute Lebensbedingungen. Die Sporen der Schimmelpilze belasten die Raumluft und gefährden die Gesundheit der Bewohner. Zu hohe Feuchtigkeit in der Raumluft kann auch in Mauerwerk und Dämmstoffschichten eindringen und da durch die Dämmwirkung verschlechtern. Die Folge auch hier: feuchte Wände und Decken und somit Schimmelpilze.

 


Gipsputz reguliert die Luftfeuchte im Raum, indem er überschüssigen Wasserdampf aufnimmt und bei Bedarf wieder abgibt.
Foto: Industriegruppe Baugipse


Dritter klimabestimmender Faktor ist die Luftwechselrate, die vorschriftsmäßig zwischen 0,6 und 1 liegen sollte, das bedeutet einen Austausch von 80 Prozent der Raumluft pro Stunde. Die Luftwechselrate hängt von verschiedensten Faktoren ab: Wie viele Menschen verbrauchen Sauerstoff? Sind Raucher dabei? Wie hoch ist der Schadstoffeintrag in die Luft durch Oberflächen des Innenausbaus, durch Möbel, durch Haustechnik, Großgeräte oder sogar durch Laserdrucker am Computer? Das Tückische daran: Die meisten Schadstoffe kann man weder sehen noch riechen. Kein Wunder also, dass Baubiologen den Anteil der „building-related sicknesses" an allen Befindlichkeitsstörungen des Menschen von heute auf mindestens 20 Prozent beziffern.


Alles muss zueinander passen >