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Ressourcen

Ohne mineralische Rohstoffe sind Lebensräume – ob natürliche oder gebaute Umwelt – nicht denkbar. Um den Bedarf an vielfältigen, hochwertigen Produkten z.B. für den Innenausbau von Gebäuden zu decken, gewinnt die Gipsindustrie in Deutschland den mineralischen Rohstoff Gips. Deshalb setzen sich die gipsabbauenden und gipsherstellenden Unternehmen dafür ein, dass die Verfügbarkeit des mineralischen Rohstoffs langfristig gesichert ist. Denn nur bei dauerhaften zeitlichen Perspektiven lohnen sich die hohen Investitionen in Grunderwerb, geologische Untersuchungen, in Forschung & Entwicklung sicherer Produkte sowie die Errichtung moderner, umweltverträglicher Anlagen.

Gips zu Gips: Der perfekte Kreislauf

Gips ist das einzige natürliche Material, das nach Aufbereitung und Verwendung als Baustoff durch Recycling in seinen ursprünglichen Zustand zurückgebildet werden kann. Ein geschlossener Kreislauf „Gips zu Gips“ ist ohne Weiteres denkbar. Die Realität sieht jedoch noch anders aus.

Anlässlich des „European Parliament Gypsum Forum“ wurde am 16. Oktober 2013 das europäische Gemeinschaftsprojekt „Gypsum to Gypsum“ der Recyclingindustrie, der Abbruchbranche und der Gipsindustrie vorgestellt, das den europäischen Gipsabfallmarkt zu einem Gipsrecyclingmarkt verwandeln will, um den Kreislauf perfekt schließen zu können.

Das am 1. Januar 2013 gestartete Projekt hat eine Laufzeit von 3 Jahren, ein Budget von 3,5 Millionen € und wird von der Europäischen Kommission mit einem Zuschuss von bis zu 1,7 Millionen € gefördert.

Informieren Sie sich hier auf der Website des Projektes.

(bisher leider nur in Englisch verfübar)

Ressourceneffizienz mit Gipsrecycling

Der Bundesverband der Gipsindustrie e.V. hat am 7. Oktober 2014 auf dem mit Unterstützung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) veranstalteten Gipsrecyclingtag sein Konzept für die Verwertung gipshaltiger Abbruchmaterialien vorgestellt. In Vertretung der Bundesministerin Frau Dr. Hendricks begrüßte Herr Dr. Wendenburg die mehr als 80 Vertreter von Unternehmen, Behörden und Verbänden. In insgesamt 8 Vorträgen und ausreichend Zeit für Diskussionen wurde das Thema Gipsrecycling von verschiedenen Seiten beleuchtet. Das Ziel der Veranstaltung - Partner für das Gipsrecycling bei Kommunen, Rückbau- und Recyclingunternehmen zu interessieren - ist erreicht worden, was eine Vielzahl von zwischenzeitlich eingegangenen Anfragen in der Verbandsgeschäftsstelle belegt. Der Bundesverband wird das Thema weiter koordinieren und bei Bedarf weitere Veranstaltungen organisieren. Dank sei an diese Stelle an alle an der Planung und Durchführung der Veranstaltung Beteiligten ausgesprochen.

Eindrücke von der Veranstaltung im BMUB:

 

Die Pressemitteilung des Bundesverbandes zur Veranstaltung finden Sie hier.

Die Einladung und die Folien zu den Vorträgen der verschiedenen Referenten können Sie nachfolgend downloaden:

Carlo Zandonella

Gipsrecycling: Potentiale in der Klimagas- und Umweltbilanz des Landes Berlin

Christine Marlet

Vom Gips zum Gips - von der Produktion zum Recycling - ein EU LIFE Projekt

Einladung zum 7.10.2014 im BMUB

Ressourceneffizienz mit Gipsrecycling

Holger Ortleb, Dr. Jörg Demmich

Ressourceneffizienz mit Gipsrecycling

Jens Waletzko

Gips-Recycling in Baden-Württemberg - ein Unternehmen steigt ein

Jörg-Michael Bunzel

Rohstoffrückgewinnung am Beispiel der Gipsrecyclinganlage der MUEG in Sachsen

Prof. Dr. Karsten Ulrich Tichelmann

Bauen im Wandel - Die Notwendigkeit der Ressourceneffizienz

Prof. Dr. Wolfgang Klett

Rechtliche Rahmenbedingungen für das Recycling von Gips

RA Andreas Pocha

Die Abbruchbaustelle als Rohstoffquelle?

 

Ein Video zum Thema Ressourceneffizienz mit Gipsrecycling finden Sie hier:

Zum Video

Konzeption zum Gipsrecycling

Insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen umweltrechtlichen Entwicklungen – Produktverantwortung gemäß novelliertem Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) vom 29.02.2012 – ist sich die Gipsindustrie bewusst, dass bei der Entwicklung, Herstellung und dem Inverkehrbringen von Gipsbaustoffen und Gipsbauprodukten vorrangig verwertbare Abfälle oder sekundäre Rohstoffe eingesetzt werden und nach Gebrauch dieser Erzeugnisse eine ordnungsgemäße, schadlose und hochwertige Verwertung erfolgen sollen. Hierbei stehen vor allem die Rückgewinnung von Gips aus Gipsplattenabfällen und die Verwendung dieses Gipses als sekundärer Rohstoff im Mittelpunkt.

Vor diesem Hintergrund wurde folgende Konzeption erarbeitet:

  1. Der BV Gips hat für seine Mitgliedsunternehmen ein Konzept zur Rücknahme von Recyclinggips (RC-Gips) entwickelt.
  2. Kernpunkt dieses Konzepts ist, dass Rahmenbedingungen festgelegt werden, die eine Verwendung dieses RC-Gipses ohne Einschränkungen als sekundärer Rohstoff in ausgewählten Gipswerken möglich machen. Die Sammlung, ggf. erforderliche Zwischenlagerung und Aufbereitung von Gipsplattenabfällen sowie die Zuführung von RC-Gips zu den einzelnen Gipswerken ist Aufgabe der Entsorgungswirtschaft.
  3. Das Konzept besteht aus folgenden wesentlichen Elementen:
    • Festlegung einer einheitlichen Spezifikation mit technischen Parametern und Parametern für Spurenelemente (insbesondere Schwermetalle). Die Spezifikation ist in Anlage 1 beigefügt. Die Qualität des RC-Gipses muss so beschaffen sein, dass daraus die Herstellung von Gipsprodukten sichergestellt ist, die Erzeugnissen aus Naturgips entsprechen. In Lieferverträgen können Abweichungen von den Anforderungen an technische Parameter vereinbart werden.
    • Festlegung von Gipswerken, die spezifikationsgerechten RC-Gips annehmen und verarbeiten können. Eine Übersicht ist der Anlage 2 zu entnehmen.
    • Festlegung einer Gesamtannahmekapazität für RC-Gips für die festgelegten Gipswerke von zunächst ca. 150.000 t/a.
  4. Voraussetzung für den Einsatz von RC-Gips ist, dass dieser gemäß § 5 KrWG das Ende der Abfalleigenschaft erreicht hat. Dieser Fragenkomplex wird zur Zeit mit den zuständigen Behörden (LAGA – Länderarbeitsgemeinschaft Abfall) geklärt. Darüber hinaus sind entsprechende Investitionen in den Gipswerken vorzunehmen, um RC-Gips annehmen, zwischenlagern und einsetzen zu können.
  5. Die Umsetzung des Recyclingkonzepts kann nur erfolgen, wenn sichergestellt ist, dass der RC-Gips gemäß § 5 KrWG das Ende der Abfalleigenschaft erreicht hat.

Gips umweltverträglich abbauen

Die Gipsindustrie gewinnt in Deutschland den Rohstoff Gips. Sie setzt dabei auf eine nachhaltige und umweltverträgliche Entwicklung. Heute und auch in Zukunft. Davon profitieren nicht zuletzt auch die Gewinnungsstätten selbst. Selbst Naturschützer erkennen die Renaturierungs- und Rekultivierungsaktivitäten der Gipsbranche an.

Gips wird unter anderem in Steinbrüchen gewonnen. Damit der Rohstoff abgebaut werden kann, müssen zunächst die Anforderungen an den Emissionsschutz erfüllt und die rechtlichen Bestimmungen des Bergrechts beachtet werden. Nach dem Abschluss der Gewinnung von Gipsgestein – vor allem im Tagebau – sichert die Gipsindustrie in enger Absprache mit den Bürgern und örtlichen Behörden, aber auch in engem Kontakt mit Naturschutzinitiativen und -verbänden die Folgenutzung der ehemaligen Abbauflächen. Die wichtigsten Schritte sind dabei die zeitnahe Wiederherrichtung des Geländes sowie langfristige Maßnahmen zu Rekultivierung und Renaturierung.

Planung und Umsetzung dieser Maßnahmen beginnen dabei schon während des aktiven Abbaus. Abschnittsweise werden für die verschiedenen Teilflächen die vorgesehene Folgenutzung und die dafür erforderlichen Arbeitsschritte festgelegt, so dass Gewinnung und Wiederherrichtung in den meisten Fällen nicht nacheinander, sondern parallel erfolgen. Daher befinden sich stets nur kleinere Flächen des Vorkommens im Abbau. Sie grenzen an noch unversehrte Lagerstätten, gleichzeitig aber auch an bereits rekultivierte und in Renaturierung befindliche Teilbereiche.

Die Natur erobert diese Flächen in kürzester Zeit wieder zurück. Standortspezifische neue Lebensräume entstehen und werden von einer Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten besiedelt. Die in den ehemaligen Steinbrüchen lebenden Arten wie zum Beispiel Orchideen oder Schmetterlinge sind in anderen Kulturlandschaften mittlerweile selten geworden. Viele alte Gipssteinbrüche sind wegen ihrer Artenvielfalt von den Behörden inzwischen sogar als Naturschutzgebiet ausgewiesen. 

Bei den noch aktiven Gewinnungsflächen, die sich mitunter in unmittelbarer Nachbarschaft zu stillgelegten, offen gelassenen Steinbrüchen befinden, werden die erforderlichen Abbaumethoden, wie z.B. Sprengungen, mit moderner Technik schonend durchgeführt. Die Auswirkungen dieser Eingriffe sind in der Umgebung der Steinbrüche kaum mehr wahrnehmbar. Gezielte Bepflanzungen in Randbereichen von Abbauzonen mindern zudem Lärm- und Staubemissionen. 

Biodiversitätsindikatoren

Biodiversitäts-Datenbank für Gipssteinbrüche

Recycling von gipshaltigen Bauabfällen

Ressourceneffizienz muss sich am Nutzen orientieren

Zweifellos ist es sinnvoll, möglichst sparsam mit unseren Rohstoffen zu haushalten. Aus Sicht des Bundesverbandes der Gipsindustrie kann aber die Rohstoffgewinnung nicht das alleinige Kriterium für Nachhaltigkeit sein. Vielmehr sollten Ressourcen über den gesamten Lebenszyklus ihres Endproduktes betrachtet werden.

Auch die Gipsindustrie bekennt sich zur nachhaltigen Entwicklung und agiert entlang ihrer gesamten Wertschöpfungskette ressourcenschonend. Dies gilt für die Rohstoffgewinnung ebenso wie für die Produktion und die Anwendung der Produkte einschließlich der Verwendung aufbereiteter Recyclingmaterialien und industrieller Nebenprodukte. Dabei berücksichtigt die Gipsindustrie bei der Rohstoffgewinnung Biodiversitätsziele, beispielsweise indem sie Gruben schon während des Abbaus renaturiert und rekultiviert. 

Der Bundesverband der Gipsindustrie spricht sich für eine realistische Einschätzung der Effizienzpotenziale aus, etwa im Bereich des Gipsrecyclings. Noch gibt es aber viele offene Fragen und Verordnungen seitens der Umweltbehörden, die der Erreichung bestimmter Zielvorgaben entgegenstehen oder sie zumindest erschweren. Aktuell birgt die Gesetzeslage erhebliche Zielkonflikte – z.B. zwischen ressourcenschonenden Verwertungsmaßnahmen sowie dem Grundwasser- und Bodenschutz. Unter anderem hindert die Tatsache, dass Sulfat zum Schadstoff deklariert wurde, die Industrie daran, die angestrebten Verwertungsquoten zu erreichen.

Konkret fordert der Bundesverband der Gipsindustrie: Zusammenhänge zwischen der Umwelt-, Klima- und Ressourcenpolitik dürfen nicht nur dann hergestellt werden, wenn damit eine Minimierung des Rohstoffabbaus begründet werden soll. Auch der Nutzen der energetischen und altersgerechten Sanierung von Wohnungen, der mit dem Ressourceneinsatz verbunden ist, muss mitbetrachtet werden. Für eine praktikable Effizienzstrategie ist folglich eine ganzheitliche Betrachtung erforderlich, mit der die vielfältigen ökonomischen, ökologischen, sozialen und technischen Aspekte berücksichtigt werden. Die Beurteilung der Ressourceneffizienz kann nicht isoliert am Rohstoff, sondern nur am erstellten Endprodukt – zum Beispiel am Bauwerk – erfolgen und muss dabei den gesamten Lebenszyklus berücksichtigen.

Daher spricht sich der Bundesverband für eine Einbeziehung der Kompetenzen und Expertisen aller Bundesressorts aus. So hat das Bundesbauministerium einen rund 60 Punkte umfassenden Kriterienkatalog für nachhaltiges Bauen vorgelegt. Ein ähnlich umfassendes Bewertungssystem sollte – gemeinsam mit der Industrie – auch für ein Ressourceneffizienzgesetz entwickelt werden.