Spezialitäten aus Gips

Kunst & Modellbau

Die eindrucksvolle Plastizität von Gips und die feinen, weißen Oberflächen von Festkörpern aus Gips haben seit jeher Künstler und Kunsthandwerker inspiriert. Gips verlässt hier die rein technisch-funktionale Sphäre und eröffnet kreative Freiräume, die Formen mit komplexem Aufbau und feingliedrigen Strukturen erlauben. Dabei kann das Material im Rahmen der schöpferischen Prozesse gleich drei verschiedene Funktionen übernehmen: als Rohmaterial für das Kunstwerk selbst, als Abformmaterial für eine vorhandenes Objekt oder – bei der Modell-Vorentwicklung – als Vorbild für das später zu schaffende, eigentliche Werk.

Modellbau

Modernes Industrial Design findet – trotz 3D-Datenmodellen, Renderings und Animationen – seinen Ausgangspunkt heute durchaus noch im plastischen Gestalten. So gehört in den Werkstätten von Hochschulen, Betriebsstätten und Unternehmen Gips noch immer zu den Basismaterialien für Gieß-, Ein-, Ent- und Abformtechniken in der Modell-Vorentwicklung, bevor erste Prototypen aus den spezifischen Produktwerkstoffen angefertigt und erprobt werden. Sehr feine Gipse können auch im Rapid Prototyping eingesetzt werden, einem 3D-Druckverfahren, mit dem Objekte aus zunächst formlosen und später austrocknenden – oder im Falle von Gips – abbindenden Materialien schichtweise aufgebaut werden können. Dieses Verfahren wird z.B. bei der Herstellung von Massenmodellen in Architekturmodellbau-Fachbetrieben eingesetzt. Dem Modellbau verwandt ist die visuelle Gestaltung von Räumen und Objekten für das Szenen- und Bühnenbild im Schauspiel sowie den Dekorationsbau bei Film und Fernsehen.

Restaurierung, Abformung, Neuschöpfung

Historische Formen und Skulpturen werden in der Denkmalpflege und Restauration mit Gips abgeformt, sodass eine originalgetreue Wiederherstellung durch erneutes Ausgießen der Form möglich wird. Das Verfahren dient der Abformung historischer Architekturelemente wie Zierteilen oder Ornamenten, aber auch der Reproduktion figürlicher Kunstwerke. So werden z.B. viele Skulpturen der griechischen und römischen Antike, deren Originale längst in den Wechselfällen der Geschichte verschollen sind, durch Nachbildungen in Gips wieder „lebendig“. Die Gipsformerei, also die Herstellung von Repliken bildhauerischer Werke aus Gips, hat sich zu einem frühen und eigenständigen künstlerischen Zweig entwickelt. So ist beispielsweise die 1819 gegründet Gipsformerei der Staatlichen Museen zu Berlin die weltgrößte Kunstmanufaktur dieser Art. Die Ästhetik der glatten und rein weißen Gipsduplikate inspiriert bis heute zeitgenössische Künstler zu plastischen Neuschöpfungen mit dem weichen, gut formbaren Material Gips.


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