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125 Jahre Bundesverband der Gipsindustrie e.V.: Ein Baustoff macht Karriere

Ein stolzes Jubiläum! Seit 125 Jahren repräsentiert der ursprünglich als ‚Deutscher Gipsverein‘ gegründete ‚Bundesverband der Gipsindustrie e.V.‘ die sowohl von mittelständischen als auch von großen Unternehmen geprägte Branche mit ca. 6.000 Mitarbeitern und bündelt Kompetenz und Expertise. 

Als sich im September 1899 in Kassel 25 Vertreter gipsabbauender und gipsherstellender Unternehmen – einige Quellen sprechen auch von 29 Teilnehmern – trafen, um auf Anregung der damaligen Reichsregierung den ‚Deutschen Gipsverein‘ zu gründen, legten sie damit den Grundstein für den Erfolg des Baustoffs Gips. Vor dem Hintergrund des im Zuge der Industrialisierung wachsenden Bedarfs an Wohnraum war man damals „….in Regierungskreisen geneigt, dem Gips bei Staatsbauten zur Verwendung zu verhelfen, es fehlt jedoch an einem Bindeglied zwischen den grossen Consumenten und der Gesamtheit der Fabrikanten, d. h. an einer Cooperation, mit welcher die Königliche Regierung die nötigen Vorarbeiten und technischen Fragen besprechen kann“, wie es im „Aufruf für Gründung eines Vereins deutscher Gipsfabrikanten“ hieß (Thonindustrie-Zeitung, Nr. 94, Berlin, 26.August 1899).

Seitdem hat sich der Baustoff in der Bauindustrie und hier insbesondere im Innenausbau mit moderner Trocken- und Leichtbauweise bewährt und ist aus dem Baugeschehen nicht mehr weg zu denken. Gipsplatten, Gipsfaserplatten oder Gipswandbauplatten sind im Laufe der Jahrzehnte immer weiter entwickelt worden und ermöglichen heute nicht nur einen technisch hochwertigen und nachhaltigen Innenausbau mit hohen Anforderungen an Sicherheit und Gesundheit. Auch in Außenbereichen können speziell dafür entwickelte Gipsplatten mittlerweile eingesetzt werden. Der moderne, mehrgeschossige Holzbau wird erst durch den Einbau von Gipsfaserplatten möglich und modernen Schall- sowie komplexen Brandschutzanforderungen gerecht. Das Spektrum der Möglichkeiten wird ergänzt durch Gipsputze und Gipsspachtel für das hochwertige und robuste Flächenfinish. Calciumsulfat-Fließestriche zeichnen sich durch eine hohe Leistungsfähigkeit aus.

„Die Ziele dieses am Ende des 19. Jahrhunderts neu gegründeten Vereins sind denen unserer heutigen Satzung sehr ähnlich“, betont Thomas Bremer, VG Orth GmbH & Co. KG während der Jubiläumsfeier in seiner Laudatio und zitiert aus der Satzung: „…..gemeinnützig im Dienste der gesamten Gipsindustrie tätig zu sein und – die Natur des Gipses in chemischer und technischer Beziehung festzustellen und Unterlagen für die Erörterung der technischen und wissenschaftlichen Fragen zu schaffen, die sich bei der Erzeugung und Verwendung ergeben, ohne dass dabei die wirtschaftlichen Fragen ausgeschaltet werden dürfen…..“, (Tonindustriezeitung Nr.110, 09.1919).

Im Rahmen des Verbandsjubiläums wurde auch der seit 25 Jahren amtierende Vorstandsvorsitzende Thomas Bremer geehrt. Im Namen des gesamten Verbandes gratulierte Vorstandsmitglied Raimund Heinl, CEO Saint-Gobain Deutschland & Österreich und überreichte dem Jubilar einen personalisierten "Gipsblock". In der Laudatio betonte Heinl insbesondere das unermüdliche Engagement von Thomas Bremer für den Naturgips aus Deutschland. Seine über die vielen Jahre hinweg stets besonnene und ausgleichende Führung habe den Verband entscheidend geprägt und dessen Bedeutung sowie dessen Einfluss maßgeblich gefördert.  

Das Bauen mit Gips gewinnt in der Nachkriegszeit zunehmend an Bedeutung. Damit einhergehend verlagern sich auch die Schwerpunkte des Vereins. Um den mineralischen Rohstoff Gips intensiver zu erforschen und so das technische Leistungspotenzial von Gipsbaustoffen besser ausschöpfen zu können, wird die Vereinstätigkeit deutlich wissenschaftsorientierter ausgerichtet. Die 1953 erfolgte Verlegung der Geschäftsstelle nach Darmstadt, dem Standort der renommierten Technischen Universität, ist da ebenso konsequent wie die Gründung der ‚Forschungsvereinigung der Deutschen Gipsindustrie‘ im Jahr 1970. Mit der Umbenennung des ‚Deutschen Gipsvereins‘ in ‚Bundesverband der Gips- und Gipsbauplattenindustrie e.V.‘ im Jahr 1964 ist gleichzeitig der Anspruch verbunden, die normativen Grundlagen für das Bauen mit Gips voranzutreiben und Bauprodukte aus Gips noch nachdrücklicher als zuvor als Leitwerkstoffe für den Innenausbau zu forcieren.

Neue Anwendungsmöglichkeiten für Baustoffe aus Gips, eine zunehmend europäisch und international geprägte Normungsarbeit, gestiegene Anforderungen an eine moderne Kommunikation und nicht zuletzt ein zunehmend öffentliches Ansehen führen 2003 zur erneuten Umbenennung in den heutigen ‚Bundesverband der Gipsindustrie e.V.‘. Seit 2010 ist Berlin neuer Standort.

Heute sind im Bundesverband der Gipsindustrie 11 Unternehmen organisiert, die im Jahr 2022 insgesamt 7,1 Mio. Tonnen Gipsrohstoffe verarbeitet haben. Aus dem deutschen Bauwesen, das bis zu 75 Prozent seiner Werkstoffe aus mineralischen Rohstoffen bezieht, ist der Rohstoff Gips nicht wegzudenken. Es ist der zentrale Baustoff für die modernen klimafreundlichen Trocken- und Leichtbauweisen, die ressourceneffizien-

tes, nutzungsflexibles, bezahlbares, brandsicheres und schnelles Bauen ermöglichen. Gipsbaustoffe sind ökologisch vorteilhaft in allen Bauten und Bauweisen vertreten und kommen bei nahezu jedem Innenausbau zum Einsatz. Sie ermöglichen praxisgerechte Konstruktionen, um dringend benötigten Wohnraum zu schaffen. In urbanen Ballungszentren etwa können so durch Nachverdichtungen sowie Aufstockungen neue Wohnraumpotenziale erschlossen und dadurch weitere Flächenversiegelungen vermieden werden. Aufgrund seiner besonderen bauphysikalischen Eigenschaften und der einfachen Verarbeitbarkeit lässt sich Gips nicht wirtschaftlich sinnvoll durch andere Baustoffe ersetzen.