Am 6. September jährt sich der Tag des Gipsgesteins zum dritten Mal. Damit wird ein Rohstoff gewürdigt, der durch seine Vielseitigkeit aus unserem täglichen Leben nicht wegzudenken ist. Gips wird in der Medizin, etwa zur Stabilisierung von Knochenbrüchen, in der Zahntechnik, in der bildenden Kunst zur Erstellung von Skulpturen oder zur Anfertigung von Formen und Modellen, in der Keramikindustrie, aber auch in der Lebensmittelindustrie als Nahrungsmittelzusatz (E516) eingesetzt. Vor allem aber wird Gips zum Bauen benötigt. Es gibt kaum ein Gebäude, in dem nicht entweder Gips direkt verarbeitet ist oder Gips zur Herstellung anderer Baustoffe verwendet wird.
Gips – unverzichtbar für modernes Bauen
Vor allem im modernen Bauen kommt dem mineralischen Material, von dem man weiß, dass es bereits 7000 v. Chr. in Kleinasien zur Verschönerung von Innenräumen verwendet wurde, eine Schlüsselfunktion zu. Für den Ausbau von Bestandsgebäuden oder Neubauten, bei Modernisierungen und Renovierungen, bei Aufstockungen oder für den Brandschutz bzw. zur statischen Aussteifung im Holzbau sind Gipsbaustoffe unverzichtbar. Die moderne Trocken- und Leichtbauweise mit Gipsplatten fördert schnelles Bauen und ist damit eine wichtige Komponente, wenn es darum geht, dringend erforderlichen Wohnraum zu schaffen. Gleichzeitig können damit flexible Grundrissgestaltungen und optimale Anpassungen an Gebäudestrukturen realisiert werden.
Es gibt derzeit keinen Ersatz für Gips
Dabei ist Gips alternativlos: Es gibt aktuell keinen Baustoff, mit dem die gesamte Bandbreite der Anwendungen von Gips abgedeckt werden kann. Eine wissenschaftliche Studie der TH Rosenheim und der VHT Darmstadt bestätigt, dass einige traditionelle Baustoffe zwar den Trockenbau bei bestimmten Konstruktionen sinnvoll ergänzen können, derzeit aber weder bautechnisch noch ökonomisch oder ökologisch einen äquivalenten Ersatz darstellen.
Baustoffe aus Gips erfüllen alle Anforderungen, die heute an nachhaltiges Bauen gestellt werden. Durch ihre Fähigkeit, Luftfeuchtigkeit aufzunehmen
und später auch wieder abzugeben, sorgen sie für eine natürliche Regulierung des Innenraumklimas. Sie sind nahezu emissionsfrei und somit in puncto Wohngesundheit sicher. Das bestätigen Umweltproduktdeklarationen des Institutes Bauen und Umwelt e. V. (IBU) anhand der Prüfberichte unabhängiger Institute.
Aus Gips wird wieder Gips
Neben den positiven baubiologischen und bautechnischen Eigenschaften sind die leichte Verarbeitbarkeit stichhaltige Argumente für den Einsatz von Gipsprodukten. Dazu kommt, dass Gips im Gegensatz zu den meisten anderen Baustoffen stofflich voll recyclingfähig ist. „Gips ist das einzige natürliche mineralische Material, das nach der Aufbereitung und Verwendung als Baustoff durch Recycling und anschließendes Calcinieren in seinen ursprünglichen Zustand als Roh- bzw. Baustoff zurückgebildet werden kann“, betont Dipl.-Ing. Holger Ortleb, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Gipsindustrie und der Forschungsvereinigung der Gipsindustrie.
Mehr Artenvielfalt durch verantwortungsvollen Gipsabbau
Bisher konnte ein großer Teil des jährlichen Gipsbedarfs in Deutschland durch den sogenannten REA-Gips gedeckt werden, der als Nebenprodukt bei der Kohleverstromung entsteht. Mit dem Kohleausstieg wird diese Quelle versiegen. Deutschland aber verfügt über ausreichend große Gipsvorkommen, so dass keine Abhängigkeiten von Rohstoffimporten zu befürchten sind. Für die Naturgipsgewinnung gibt es strenge Richtlinien. Die Gipshersteller begleiten die Naturgipsgewinnung mit geologischen und biologischen Experten, um die Auswirkungen auf den Naturraum zu minimieren und unterstützen so den Erhalt und die Entwicklung hochwertiger Flächen. So entstehen in ehemaligen Steinbrüchen neue Lebensräume für eine Artenvielfalt, die so zuvor in der Natur nicht vorkam. Untersuchungen haben gezeigt, dass die erfasste Vielfalt der Gefäßpflanzenarten in den Abbaufolgelandschaften an vielen Standorten deutlich höher ist als in der Umgebungslandschaft. „Dies belegt den Wert der Gipsabbau-Folgelandschaften für die in den bundesweiten Roten Listen der gefährdeten Tier-, Pflanzen- und Pilzarten aufgeführten Spezies“, erklärt Holger Ortleb.
