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Gipsversorgung gefährdet

Gipsversorgung in Niedersachsen gefährdet

Ein aktuelles Gutachten zur Gesamtlage des Rohstoffs Gips in Niedersachsen warnt vor wachsenden Versorgungsrisiken für die Bau- und Gipsindustrie. Der Bundesverband der Gipsindustrie fordert deshalb schnelle politische Entscheidungen zur Sicherung heimischer Rohstoffvorkommen. Hintergrund sind der fortschreitende Wegfall von REA-Gips infolge des Kohleausstiegs sowie begrenzte Möglichkeiten durch Recycling und Ersatzstoffe.

Das Anfang Mai veröffentlichte Gutachten „Gesamtlage des Rohstoffs Gips in Niedersachsen“ bestätigt nach Einschätzung des Bundesverbandes der Gipsindustrie e. V. (BV Gips) die dringende Notwendigkeit, die heimische Gipsversorgung langfristig abzusichern. Die Untersuchung, die im Auftrag des Niedersächsischen Wirtschaftsministeriums sowie des Niedersächsischen Umweltministeriums erstellt wurde, zeigt deutlich: Ohne zusätzliche und tatsächlich verfügbare Rohstoffsicherungsflächen drohen mittelfristig erhebliche Versorgungslücken bei Gips in Deutschland.

Hintergrund ist vor allem der kontinuierlich fortschreitende Wegfall von REA-Gips aus Kohlekraftwerken infolge des Kohleausstiegs. Noch vor wenigen Jahren stammten mehr als 50 Prozent der deutschen Gipsproduktion aus REA-Gips. Mit dem Kohleausstieg wird diese Quelle vollständig entfallen. Dazu kommt, dass ein Großteil der bekannten Lagerstätten derzeit nicht oder nur eingeschränkt verfügbar ist. Gleichzeitig kommt das Gutachten zu dem Ergebnis, dass Recycling und alternative Baustoffe die entstehende Rohstofflücke nicht vollständig schließen können.

„Das Gutachten bestätigt die zentrale Bedeutung heimischer Naturgipsvorkommen für die Versorgung der Bauwirtschaft und zahlreicher industrieller Anwendungen. Deutschland wird auch künftig auf Naturgips angewiesen sein“, sagt Dipl.-Ing. Holger Ortleb, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Gipsindustrie und der Forschungsvereinigung der Gipsindustrie dazu. Aufgabe der Politik sei es, die langfristige Rohstoffversorgung zu gewährleisten. Recycling, Kreislaufwirtschaft und alternative Baustoffe seien wichtige Bausteine, sie könnten den Bedarf jedoch nicht vollständig decken. „Die Ergebnisse des vorgelegten Gutachtens müssen deshalb konsequent in Landesplanung und Genehmigungspraxis übersetzt werden“, fordert Holger Ortleb.

Zusätzliche Unterstützung erhält die Forderung nach einer verlässlichen Rohstoffstrategie auch aus der Landespolitik. So erklärte der baupolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion Niedersachsen, Christian Frölich, mit Blick auf das Gutachten, dass Recycling und alternative Baustoffe zwar wichtige Beiträge leisten könnten, Naturgips jedoch auf absehbare Zeit unverzichtbar bleibe. Deshalb brauche Niedersachsen klare politische Rahmenbedingungen und Planungssicherheit für die heimische Rohstoffgewinnung. Frölich betonte zudem: „Wer mehr Wohnungsbau will, muss auch sagen, woher die Baustoffe kommen.“

Niedersachsen spielt für die deutsche Gipsversorgung eine Schlüsselrolle. Rund 25 bis 30 Prozent der deutschen Naturgipsproduktion stammen aus dem Bundesland, das damit zu den wichtigsten Gipsstandorten Deutschlands gehört. Zugleich weist das Gutachten darauf hin, dass die Bedarfsdeckung durch die heimische Naturgips- und Anhydritgewinnung bereits rückläufig ist. Während zwischen 2010 und 2016 noch rund 80 Prozent des Bedarfs gedeckt werden konnten, sank dieser Wert bis 2022 auf etwa 66 Prozent.

Der BV Gips fordert deshalb, die Ergebnisse des Gutachtens zügig in konkrete politische und planerische Entscheidungen zu überführen, um die Rohstoffversorgung in Niedersachsen und Deutschland zu gewährleisten. Dazu gehören insbesondere verlässliche Rahmenbedingungen in der Landes- und Regionalplanung sowie beschleunigte Genehmigungs-verfahren.

„Wer Wohnungsbau, Infrastrukturmodernisierung und industrielle Wertschöpfung in Deutschland sichern will, kann auf heimische Rohstoffe nicht verzichten“, betont auch Holger Ortleb und warnt: „Eine Verlagerung der Rohstoffgewinnung ins Ausland würde nicht nur neue Abhängigkeiten schaffen, sondern auch längere Transportwege und zusätzliche CO₂-Emissionen verursachen.“

Gleichzeitig bekennt sich die Gipsindustrie ausdrücklich zu den Zielen des Klima-, Natur- und Ressourcenschutzes. Der BV Gips unterstützt den weiteren Ausbau des Gipsrecyclings, recyclingfreundliche Bauweisen sowie innovative Ansätze zur Ressourceneffizienz. Entscheidend sei jedoch ein realistischer und technologieoffener Ansatz. Holger Ortleb stellt klar: „Recycling und heimischer Naturgips dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Nur durch das Zusammenspiel aus Recycling, Ressourceneffizienz und gesicherter heimischer Rohstoffgewinnung kann die Versorgung langfristig gewährleistet werden.“